zurück

Blog: Artikel-Detailansicht

Artikel lesen und teilen

Leadership Kommunikation 4.0

Die Anforderungen an die Kommunikation von Führungskräften werden immer anspruchsvoller und gehen über die reine Wiedergabe von Inhalten weit hinaus. Mehr noch, die neuen Generationen, die derzeit in den Arbeitsmarkt treten, wollen mitreden und gehört werden. Das erfordert einen völlig anderen, neuen Kommunikationsstil. Lesen sie, warum das so ist und wie Leadership 4.0 gestaltet werden kann.

Leadership Kommunikation 4.0

- engagierend, inspirierend, auf Augenhöhe -

Die Chancen für Führungskräfte ihre Wirkung zu steigern sind gross

Heute wollen immer mehr MitarbeiterInnen verstanden und wertgeschätzt werden sowie Sinn in ihrer Arbeit finden. Wird die Arbeit dagegen als Last und nicht als Freude empfunden, hat das negative Auswirkungen auf Motivation und Engagement und damit auch auf den langfristigen Erfolg einer Organisation. Das ist allgemein bekannt.

In der Vergangenheit hat sich Leadership Kommunikation weitgehend auf Weisung und Kontrolle sowie der Weitergabe von Expertenwissen beschränkt. Heute und in Zukunft muss sie in vielerlei Hinsicht höheren Ansprüchen genügen, wenn Führungskräfte Frustration, Demotivation und geringem Engagement entgegenwirken wollen.

Studien bestätigen, dass Führungskräfte derzeit schlechte Noten für ihr Kommunikations- und Kooperationsverhalten bekommen und dass Eigen- und Fremdwahrnehmung weit auseinanderklaffen. In diesem Beitrag wird beleuchtet, warum das so ist, was sich hinsichtlich der Ansprüche verändert hat, in Zukunft verändern wird und wie zukunftsgerechte Leadership Kommunikation 4.0 gestaltet werden kann.

In der Vergangenheit waren die Anforderungen an Leadership Kommunikation vergleichsweise gering

Die Grundpfeiler der klassischen Managementlehre sind auf Planbarkeit, Rationalität und Kontinuität aufgebaut. Die Annahme in diesen Modellen ist, dass Komplexität durchschaubar und beherrschbar ist. Man folgt linearen, langfristig ausgerichteten Plänen, fokussiert sich auf Prozessverbesserungen und der Replikation des Handelns. Aufgabenteilung, klare Rollen und Kompetenzen sollen Stabilität garantieren. Die klassische Hierarchie erschien für diese Lehre das geeignetste Organisationsmodell.

Organisationsform und Rahmenbedingungen bestimmen immer auch Kommunikationserfordernisse und – verhalten. So war es gewollt, dass Leadership Kommunikation weitgehend auf der Sachebene, nur innerhalb der eigenen oder der über- oder untergeordneten Hierarchiestufe stattfindet und sich auf das Notwendigste beschränkt (Anweisungen, Kontrollberichte, etc.).

Über die Zeit haben sich die Anforderungen an Leadership Kommunikation stetig erhöht

Heute sind die wenigsten Unternehmen rein hierarchisch aufgestellt. Auch wenn bisher nur einige Organisationen soweit gehen und den Schritt in die Selbstorganisation ohne Hierarchien wagen, sind neben der traditionellen Hierarchie, Matrix- und Projektorganisationen die Regel geworden. In einem volatilen, unvorhersehbaren Umfeld mit rasend schnellem, technischem Fortschritt funktionieren lineare Denk- und Handlungsweisen nicht mehr, will man schnelle Antworten auf anspruchsvolle, sich rasch ändernde Marktanforderungen finden und notwendige Veränderungen vorantreiben.

Für die Leadership Kommunikation heisst das, dass nicht nur entlang der Hierarchiestufen, sondern quer durch die Organisation kommuniziert werden muss. Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation ist, dass Kommunikationspartner «die gleiche Sprache» sprechen. Führungskräften muss es also gelingen, mit den unterschiedlichsten KollegenInnen ein gemeinsames Verständnis von Realität zu schaffen. Das ist in einer homogenen Umgebung, in der Führungskraft und Mitarbeiter örtlich an einem Ort präsent sind und eine ähnliche Sozialisation durchlaufen haben, vergleichsweise einfach.

Der zunehmende Globalisierungsgrad verlangt jedoch, dass Führungskräfte vermehrt auch interkulturell kommunizieren: Sie müssen sich in einem heterogenen Umfeld, in denen verschiedene Dimensionen von Kultur nebeneinander auftreten, zurechtfinden. Dies kann zur Herausforderung werden, wenn die Führungskraft dazu neigt, nur ihre eigene Konstruktion von Realität wahrzunehmen und davon ausgeht, dass andere dieselbe haben (was eher unwahrscheinlich ist).

Erschwert werden diese Aspekte noch dadurch, dass Kommunikation verstärkt virtuell stattfindet. Das heisst, Kontextinformationen wie zum Beispiel Körpersprache oder Merkmale der Umgebung gehen verloren. Auch können die verschiedenen virtuellen Kommunikationskanäle für MitarbeiterInnen unterschiedliche Verbindlichkeit haben. Zum Beispiel kann für den einen Kollegen, nur E-Mail verbindlich sein, für den anderen ist es das gesprochen Wort in einer Videokonferenz.

Um in einem diversen und virtuellen Umfeld erfolgreich zu kommunizieren, bedarf es einer gewissen Sensibilität, Offenheit sowie der situationsbedingten Anwendung effektiver Kommunikationstechniken. Nur so kann die Führungskraft die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten minimieren sowie gegenseitiges Verstehen fördern.

Es ist allerdings abzusehen, dass künftig auch all diese Kommunikationskompetenzen nicht ausreichen werden. Die neue Generation, die derzeit in den Arbeitsmarkt tritt, hat höhere Ansprüche an Kommunikation als dass sie lediglich Information klar und unmissverständlich vermittelt und die Verständigung sicherstellt.

Die Millennials kommen und haben ihre eigene Vorstellung von Kommunikation und Kooperation

Die Millennials (geboren zwischen 1980 und 2000) stellen schon heute die grösste Bevölkerungsgruppe dar. Bis 2020 werden sie auch die grösste Gruppe der Arbeitnehmer repräsentieren.

Sie sind sogenannte «Digital Natives» und haben eine völlig andere Erwartungshaltung an ihren Arbeitsplatz als vorherige Generationen. Unternehmenskultur, Teamwork und Gemeinschaft haben für sie Priorität. Sie suchen eher nach Sinn in der Arbeit, als dass sie nach Karriere streben. Schon heute werden die enormen Herausforderungen erkennbar. Laut einer der letzten Gallup-Studien sind nur 38% der Millennials bei ihrer Arbeit engagiert, wenn sie in einem Umfeld mit mehreren Generationen arbeiten. Der Grund: Ältere Führungskräfte gehen nicht auf ihre Bedürfnisse ein.

Neben der Sinnfindung in der Arbeit und dem Wunsch nach Teamarbeit, haben Millennials ganz konkrete Bedürfnisse und Erwartungen hinsichtlich Kommunikation und Kooperation. Sie möchten:

  • mitbestimmen,
  • sich vernetzen,
  • Communities bilden,
  • mit jedem unabhängig von der Hierarchiestufe kommunizieren,
  • dass man ihnen zuhört,
  • moderne Kollaborationsplattformen zur Verfügung haben
  • Top-Down-Kommunikation auflösen,
  • multimodale Kommunikation mittels Videos, Text, Fotos, Emojis, Gifts.

Schon heute spricht man vom «War for Talents». Unternehmen müssen sich zweifelsohne auf die Bedürfnisse der Millennials einstellen, wollen sie in Zukunft junge Talente gewinnen und an sich binden.

Für Führungskräfte, die noch einen traditionellen Kommunikationsstil pflegen, heisst das, dass sie sich spätestens jetzt von der Top-Down-Kommunikation der klassischen Hierarchie verabschieden sollten. Nur mit einem neuen, anderen Kommunikationsstil können sie sich künftig mit MitarbeiterInnen vernetzen, auf Augenhöhe wirksam im Sinne der neuen Anforderungen kommunizieren sowie auch ihre Benotungen in Sachen Kommunikation verbessern.

Leadership Kommunikation 4.0 ist nicht nur neue Kommunikationstechnik, sondern auch eine Frage des Selbstverständnisses

Wenn nun Leadership Kommunikation 4.0 mehr als gegenseitiges Verstehen bewirken soll, wie kann sie konkret gestaltet werden?

Leadership Kommunikation 4.0 im Sinne dieses Beitrags soll inspirierend und motivierend wirken. Hierzu muss sie emotional sein, also auch auf der Beziehungsebene stattfinden. Erfolgreiche, zwischenmenschliche Kommunikation ist demnach nicht nur eine Frage der Kommunikationstechnik, sondern auch eine Frage des eigenen Selbstverständnisses. Man kann mit Menschen auf der Beziehungsebene nur dann glaubhaft und wirksam kommunizieren, wenn man:

  • aktiv zuhören kann,
  • so spricht, das andere verstehen können,
  • die eigenen Emotionen versteht und kontrollieren kann,
  • die eigenen Bedürfnisse erkennt und weiss, wie diese erfüllt werden können,
  • die Bedürfnisse anderer wahrnimmt, respektiert und wann immer möglich berücksichtigt,
  • sich bewusst ist, dass die eigene Wahrnehmung nicht mit der anderer übereinstimmen muss,
  • Feedback einfordert, reflektieren kann und will,
  • andere Meinungen als Chance zur Perspektivenerweiterung schätzt,
  • Beobachtungen, Gefühle, Bewertungen und Interpretationen trennen kann.

Hat eine Führungskraft diese (erlernbaren) Fähigkeiten und setzt sie ein, wird sie nahbar, authentisch und souverän wirken. Sie wird in der Lage sein, MitarbeiterInnen jeder Kultur und jeden Alters auf allen Kommunikationskanälen zu motivieren und zu engagieren. Sie wirkt über ihre Persönlichkeit und nicht über ihre Stellung oder Position.

Es erscheint wahrscheinlich, dass die neue «Millenials gerechte» Art von Kommunikation und Kooperation die Kultur einer Organisation prägen und neue Formen der Zusammenarbeit jenseits von strikten Hierarchien hervorbringen wird. MitarbeiterInnen sind dann nicht nur Erfüllungsgehilfen entlang einer materiellen Wertschöpfungskette, sondern werden als Menschen mit all ihren Ressourcen, Gefühlen und Bedürfnissen wahrgenommen und geschätzt.

Wirksame Kommunikation ist zur Leadership-Kompetenz Nr. 1 geworden.

Quellen und weitere Informationen:

Information Factory (2015): Deutschland führt?!, Studie durchgeführt von Information Factory, Zürich, Nürnberg, Porto (abgerufen am 28.05.2018) https://www.information-factory.com/fileadmin/user_upload/studien/Deutschland_fuehrt_Studie_2015.pdf

IUBH Fernstudium (2012): Video Führung und Kommunikation, IUBH; Bad Honnef; abgerufen am 28.05.2018 https://www.youtube.com/watch?v=1IVpnjkbuz0

Roither Dr. Michael (2014): Kommunikation in Management und Leadership, Studie durchgeführt von Donau-Universität; Krems (abgerufen am 28.05.2018) https://www.wdf.at/assets/uploads/WdF_Studie_Kommunikation_2014_Vollauswertung.pdf

Codorniou, Julien (2018): 6 Trends Shaping a Future for People in the Workplace, Entrepreneur Media Inc; Irvine (abgerufen am 28.05.2018) https://www.entrepreneur.com/article/309804

Sommer, Ute (2014): Masterthesis; Neue Kommunikationsstile für neue Formen der Zusammenarbeit?, MakingScienceNews ; Wollerau http://www.makingsciencenews.com/catalogue/papers/716/view