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Agile Unternehmen: Steigendes Konfliktpotential birgt Chancen

Wenn sich bestehende Organsationstrukturen in Unternehmen auflösen, steigt der Abstimmungsbedarf zwischen Mitarbeitern und damit das Konfliktpotential. Dieser Beitrag beleuchtet, warum das so ist, was passiert, wenn Konflikte unbearbeitet bleiben und wie Arbeitsplatzkonflikte positiv und konstruktiv gelöst werden können.

 

 

Agile Unternehmen: Steigendes Konfliktpotential birgt Chancen

Agile Unternehmen: Steigendes Konfliktpotential birgt Chancen

Digitalisierung und Globalisierung bringen Veränderungen auf die Tagesordnung

Veränderung ist zur strategischen Komponente in fast jedem Unternehmen geworden. Starre Strukturen haben mehr und mehr ausgedient und Unternehmen organisieren sich ständig neu: Fusionen, Neugründungen, Entlassungen und Umstrukturierungen sind auf der Tagesordnung. Wohin ist die Entwicklung in den letzten 10 – 15 Jahren gegangen? Unternehmensabläufe und Prozesse wurden stetig optimiert, wodurch Durchlaufzeiten verkürzt und Herstellkosten reduziert wurden. Die Digitalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten gestatten Unternehmen zudem, ihre Wertschöpfungskette zu zergliedern und an die Orte zu verlegen, an denen benötigte Ressourcen am kostengünstigsten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig können Unternehmen sich weitgehend unabhängig von ihren finanziellen Mittel und Grösse durch das Internet Zugang zu den Weltmärkten verschaffen. Was auf der einen Seite Chancen durch die massive Ausweitung der Absatzmärkte bringt, führt auf der anderen Seite zu einer globalen Konkurrenzsituation, da nahezu jeder Konsument online weltweit einkaufen und Preise sowie Qualität vergleichen kann. Unternehmen fokussieren sich daher verstärkt auf die Kunden, um Produkte und Dienstleistungen mit höherer Qualität schneller auf Kundenbedürfnisse anpassen und im globalen Markt bestehen zu können. Gleichzeitig versuchen sie, mittels weiterer Prozessoptimierung, Digitalisierung und Kostenreduzierung Waren und Dienstleistungen noch schneller und kostengünstiger zur Verfügung zu stellen. Auch ist aufgrund der technischen Möglichkeiten eine Beschleunigung der Informationsflüsse zu beobachten. Waren zum Beispiel in der Vergangenheit finanzielle Informationen nur periodisch verfügbar, gibt es heute „Business Intelligence“ und „Dashboards“. Kennzahlen geben in Echtzeit Auskunft über Umsatz, Profit, Kapitalbindung, Lagerbestände usw., was wiederum zu laufender Anpassung der eingesetzten Ressourcen führt, um diese im ökonomischen Sinne optimal einzusetzen. Die Frage, die sich aufdrängt ist, welche Auswirkungen die beschriebenen Entwicklungen auf Führungskräfte und Mitarbeiter haben.

Wechselnde Aufgaben und Arbeitsbeziehungen erschweren die Kommunikation

Klarheit, Gewissheit und Struktur sind für viele Menschen wichtig. Deshalb sind stetige Veränderungen für Mitarbeiter oft nicht einfach zu bewältigen. Sich immer wieder in neue, oft internationale Teams einzufinden, menschliche Beziehungen neu aufzubauen und neue Aufgaben und Rollen in der Organisation zu übernehmen, können zu einer grossen Herausforderung werden. Der klassische Chef, der Aufgaben verteilt, die Ergebnisse kontrolliert und wenn nötig, auch mal fachliche Unterstützung gibt, hat als Modell weitgehend ausgedient. Selbstorganisation und ständiges Lernen sind gefragt. Derjenige, der jahrelang dieselben Aufgaben im selben Team übernimmt, wird zur Ausnahmeerscheinung. „Blindes Verstehen“ unter Kollegen, die sich lange kennen und lange an einem Ort zusammengearbeitet haben, wird immer seltener. Heute wird vermehrt international und virtuell gearbeitet. Verständnisprobleme und Kommunikationsstörungen können die Folge sein. Das Kommunizieren in einer Fremdsprache erschwert das gegenseitige Verstehen. Email und Video-Konferenzen verlangen nach einem anderen Kommunikationsstil als in einem persönlichen Gespräch. Auch haben unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Arten und Weisen, wie sie Probleme ansprechen, Projekte organisieren oder sich ganz generell ausdrücken. Diese Entwicklungen stellen zweifelsohne erhöhte Anforderungen an die Kommunikationskompetenz von Mitarbeitern.

Die Auslöser von Konflikten liegen immer in der Bewertung von Wahrnehmungen und äusseren Umständen

Allein die erschwerte Kommunikation löst jedoch noch nicht zwingend Konflikte aus, sie begünstigen die Entstehung lediglich.  Wie also entstehen Konflikte ganz konkret? Allgemein beantwortet, können Konflikte dann entstehen, wenn die Absichten des Gegenübers nicht oder falsch verstanden werden, wenn das Gesagte und das Verstandene nicht übereinstimmen oder Handlungen des Anderen negativ bewertet werden.

Oftmals geht man zum Beispiel davon aus, dass andere gleich denken, fühlen und handeln wie man selbst. Ist dies nicht der Fall und werden die eigenen Erwartungen an andere nicht erfüllt, kann es zu Irritationen und Dekodierungsschwierigkeiten kommen. Fremdes Verhalten wird dann mit den eigenen Wahrnehmungs- Handlungs- und Denkschemata entschlüsselt. Um sich kausale Zusammenhänge zu erschliessen, neigt der Mensch dazu, alles was er wahrnimmt in die eigenen Denkstrukturen einzuordnen. Wird er mit einem Verhalten konfrontiert, das er nicht kennt, wird diese Einordnung oft trotzdem vorgenommen und das Verhalten des Gegenübers kann falsch interpretiert werden. Hinzu kommt, dass häufig gemachte, ähnliche Erfahrungen und eingeschlagene Lösungswege oft zu festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern führen. Neue Herausforderungen, Begegnungen mit anderen Kulturen oder ein verändertes Arbeitsumfeld, werden dann mit bestehenden, verfestigten Denk- und Verhaltensmustern (meist negativ) bewertet. Das Konfliktpotential in der Organisation steigt.

Nicht gelöste Konflikte haben viele negative Auswirkungen

Welche Auswirkungen haben Konflikte in Unternehmen? Arbeitsplatz-Konflikte wirken sich nicht nur negativ auf betroffene Mitarbeiter und andere Stakeholder aus, sie beeinflussen die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Konkret können Arbeitsplatz-Konflikte folgende Auswirkungen haben:

Kommunikationsstörungen: Informationen werden nicht oder falsch weitergegeben. Die Mitarbeiter verlieren das Vertrauen in die Organisation oder verstehen ihnen übertragene Aufgaben nicht richtig.

Emotionale Stressbelastungen: Unter Stress entwickeln Teams Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit. Die Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsmotivation.

Unmotivierte Mitarbeitende und nicht funktionierende Zusammenarbeit führen zu sinkender Innovationskraft.

Die Kooperation mit Kunden und Lieferanten leidet aufgrund der Kommunikationsschwierigkeiten und der fehlenden Motivation der Mitarbeitenden.

Streitigkeiten unter den Mitarbeitern erhöhen die Anzahl der Mobbingvorfälle.

Langanhaltender Stress führt zu einer erhöhten Krankheitsquote (Burnouts) und zu steigender Fluktuation, wodurch erhöhte Organisationskosten entstehen.

Fazit

Unternehmen sind auf Effizienz und eine gelungene Kommunikation angewiesen, um die eingangs geschilderten Herausforderungen meistern zu können. Damit wird klar, dass Unternehmen sich ungelöste Konflikte nicht länger „leisten“ können.

Konflikte am Arbeitsplatz können auch positiv gesehen werden. Sie sind ein Zeichen, dass an der einen oder anderen Stelle nicht ausreichend kommuniziert wurde.  Werden sie aktiv angegangen und gelöst, hat dies mittelfristig eine positive Auswirkung auf die Entwicklung hin zu einer transparenten, wertschätzenden Unternehmenskultur.

Agile Unternehmen: Steigendes Konfliktpotential birgt Chancen